Ein Stück Karotte oder so

Vor dem Schlafengehen spielen wir zur Zeit meistens noch ein Brettspiel. Besonders beliebt ist gerade das „Vögel-Spiel“ – klingt frivol, ist aber ein ganz unschuldiges Würfelspiel, bei dem man mit seinem Vogel-Männchen immer ein Feld vorrücken darf, wenn man die entsprechende Farbe gewürfelt hat. Am Ende wartet ein Nest, in dem eine Belohnung „versteckt“ ist. Momentan sind das saisonbedingt kleine Schokoladen-Ostereier.

„Willst du noch was spielen oder wollen wir gleich die Teufel machen?“, frage ich, als wir mit dem Abendessen fertig sind.
Erst die Teufel, und dann das Vögel-Spiel! antwortet Ruben.
– „Aber wenn wir erst die Teufel machen, gibt es keine Belohnung beim Vögel-Spiel. Nach dem Zähneputzen gibt es keine Süßigkeiten mehr. Ich find es sowieso nicht gut, wenn du jeden Tag Schokolade isst.“
Ich will aber ein Schokoladenei als Belohnung.

„Du kannst eine andere Belohnung haben – ein Stück Karotte oder so“, mache ich einen hilflosen Versuch.
Das ist doch keine Belohnung! sagt Ruben milde tadelnd und schlägt vor: Wir können einen Kuchen essen.
Ich bleibe hart: „Entweder Vögel ohne Belohnung oder gleich Teufel.“

Ruben sieht ein, dass da nichts zu machen ist und gibt nach: Ich möchte das Schloss-Spiel spielen, fordert er nun. Bei diesem Brettspiel wartet am Ende keine Belohnung, dafür kann es sich ziemlich hinziehen, weil man durch Ereigniskarten bereits gewonnenes Terrain verlieren und – wie bei Mensch ärgere dich nicht – die Figuren seiner Mitspieler schlagen kann.

Beim Schlossspiel gibt es immer ein Buch, oder? fragt Ruben hoffnungsvoll. Damit will er sagen: Nach dem Spiel putzen wir die Zähne und lesen dann noch was.

So machen wir es dann auch. Nachdem Papa den Rest der Familie souverän vom Sofa gewürfelt hat (wo wir der Einfachheit halber immer spielen), lesen wir noch Der Ausflug und Im Zirkus, die schönen Wimmelbücher von Dorothea Göbel und Peter Knorr, bestaunen die Hobby-Enjaner mit ihren Tipis und den kleinen Elefanten, der immer alle mit Wasser vollspritzt.

Dann soll Mama noch was erzählen. Dann fällt dem kleinen Rubelmann noch ein, dass er aufs Klo muss. Schlafsack auf, ab ins Badezimmer. Fehlalarm. Zurück ins Bett, Schlafsack zu. Dann fällt dem kleinen Rubelmann ein, dass er aufs Klo muss. Jetzt aber wirklich. Schlafsack auf, ab ins Badezimmer. Fehlalarm. Zurück ins Bett, Schlafsack zu. Dann… etc.

Irgendwann sind wir dann bestimmt alle eingeschlafen.

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