Häschen-Toto

Papa, weißt du, was ich gesehen habe? Eine U-Bahn und ein Häschen! Noch vor ein paar Wochen waren es mehr. Jeden Morgen, wenn wir durch den Gleisdreieckpark radeln, auf dem Weg zur Kita, machen wir den Häschen-Check. Erst machen wir hinter den Gleisen am Tor Eins einen kleinen Schlenker und beobachten intensiv Gebüsch und Rasen. Dann inspizieren wir noch die Wiese vor dem Wäldchen, das sich an die Skateranlage anschließt.

Doch als Allererstes, noch bevor wir an der Möckernstraße in den Park einbiegen, sieht das Ritual folgenden Dialog vor:
Papa: „Und, wie viele Häschen sehen wir heute?
Anatol: Ich sage: zwei!
Papa: „Ich glaube: fünf!“
Wer näher dran ist, hat gewonnen. Mal gewinnt Papa, mal Töli. Aber Anatol ist ein guter Verlierer. Und er versteht schon, dass keiner gewonnen hat, wenn Papa vier sagt und Töli null, wir aber zwei Hasen gesehen haben.

Zu Hoch-Zeiten des Häschenwesens – im Juni, wenn die Jungen geschlüpft sind – haben wir bis zu 13 Hasen gezählt. Jetzt im September ist es meist nur noch einer. Und der sitzt immer an derselbe Stelle am Zaun, kurz hinter den Gleisen. Wenn Hundespaziergänger unterwegs sind, ist auch er weg. Bald kommt der Herbst, dann müssen wir wieder Züge zählen: ICE, U-Bahn und die letzten verbliebenen Amseln.

Aber der nächste Frühling kommt bestimmt. Und dann spielen wir wieder Häschen-Toto. Einen letzten Sommer lang, bevor auch Anatol in die Schule kommt – die diesseits des Parks liegt.

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Gescheiterte Kastanie

Ruben war heute mit seiner Hortgruppe in Kladow. Leider wurden sie vom Regen überrascht, weshalb sie bald wieder zurückgefahren sind. In der S-Bahn haben sie die eingesammelten, noch etwas unreifen Kastanien begutachtet.
Weißt du, Axel – neuerdings nennt mein Sohn mich beim Vornamen, keine Ahnung, wo er das herhat: Die war heute früh noch weiß! Er zeigt mir eine blassbraune Minifrucht, offenbar eine Babykastanie. Jetzt ist sie schon fast braun, weil sie wegen der Temperatur [in Rubens Tasche] gereift ist.

Wenn die stacheligen Kugeln beim Pflücken grün sind, doziert er weiter, dann sind sie noch nicht reif. Das hier – er deutet auf sein Mitbringsel – ist sozusagen eine gescheiterte Kastanie.

 

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Sehenswertes am Anhalter Bahnhof

Es ist Freitagabend, und es sieht nach Regen aus. Trotzdem schwingen Ruben und ich uns gut gelaunt auf die Räder und fahren Richtung Anhalter Bahnhof. Zwischen Tempodrom und Bahnhofsruine liegt ein kleiner Kunstrasen-Sportplatz, der einem sonst nie auffällt und der nach der jüdischen Leichtathletin Lilli Henoch benannt ist, die 1942 von den Nazis ermordet wurde. Auf diesem Platz findet die – mittlerweile schon zehnte – EM im Blindenfußball statt, die erstmals in Deutschland ausgetragen wird. Ruben hat irgendwo in Kreuzberg ein Plakat hängen sehen und selbst vorgeschlagen, dort hinzugehen. Deutschland gegen Italien lautet die Eröffnungspartie – ein Klassiker.

Gespannt radeln wir also zum kleinen „Stadion“ – für die EM wurde eigens eine mobile Tribüne aus Stahl errichtet. Zur Vorbereitung haben wir uns auf YouTube Videos angeschaut und uns ein bisschen mit den Regeln vertraut gemacht. Obwohl das Fernsehen da ist, ist die Atmosphäre familiär. Es sind vielleicht 300-400 Zuschauer gekommen. Man kann fast bis an den Platz laufen, ohne aufgehalten zu werden. Kaum haben wir uns hingesetzt, geht es auch schon los. Die Mannschaften laufen ein – im Gänsetrab: Jeder Spieler hat eine Hand auf die Schulter seines Vordermanns gelegt. Was ich irgendwie rührend finde – und mich sofort frage, ob dieses Sentiment statthaft ist.

Würdige ich die Sportler damit nicht irgendwie herab? Ach was, beschließe ich – und analysiere: Rührend ist es deshalb, weil für die Blinden das, was andere nur symbolisch vorführen – „Wir! Sind! Ein! Team!“ – von existenzieller Bedeutung ist. Die Spieler sind auf einander angewiesen. Beim Einlauf ins Stadion halten sie sich fest, später orientieren sie sich an den ständigen Rufen ihrer Mit- und Gegenspieler: „Voy!“ („Ich komme!“).

Nach der unvermeidlichen weißgewandeten Hymnensängerin wird angepfiffen. Wir sitzen in der ersten Reihe und sehen gut. Ein Privileg. Schnell steht es 2:0 für Deutschland. Vor dem Freistoß, der zum 1:0 führt, klopft der deutsche „Guide“, der hinter dem gegnerischen Tor steht, mit einem Stab an den rechten Pfosten, damit der Schütze weiß, wo er hinzielen muss. Ich zücke die Kamera – und tatsächlich: Kurz darauf zappelt die Kugel rasselnd im Netz. Der Ball ist etwas kleiner als der, mit dem die Sehenden spielen, und hat im Inneren so etwas wie Schellen, damit die blinden Fußballer wissen, wo sich das Runde befindet. Ruht der Ball, tippt der Schiri ein paar Mal darauf, so dass sich alle orientieren können. Ruben ist fasziniert, sein Vater nicht minder. Vor allem die enge Ballführung und die Intuition, mit der Pässe in die Tiefe des Raums gespielt werden (und beim Mitspieler ankommen), sind einfach der Hammer.

Dann beginnt es zu regnen. Der Himmel imitiert ein expressionistisches Gemälde, und das Gewitter ist da. Das Spiel wird abgebrochen, in einer halben Stunde sollen wir wiederkommen. Doch daran ist nicht zu denken. Blitz und Donner und brechende Wolken zwingen uns, unter dem schmalen Vordach des vier Quadratmeter großen türkischen Imbisses vor dem Stadion auszuharren und einen Suçuk- bzw. Käse-Toast nach dem anderen zu bestellen. Irgendwann lässt der Regen nach, es blitzelt noch ein wenig vor sich hin, aber gespielt wird heute nicht mehr. Dafür schnappen wir uns mit anderen einen Blindenfußball und kicken auf dem Nebenplatz, wo sich sonst die Spieler aufwärmen. Ruben ist in seinem Element.

Am nächsten Tag um 11 soll es weitergehen. Wir fahren durch Pfützen und Baustellen nach Hause und beschließen, mit Mutter und Bruder wiederzukommen. Zur Belohnung verwöhnt uns der Samstag mit strahlendem Sonnenschein. Die Deutschen schießen zwar kein Tor mehr, aber der Rest der Familie ist trotzdem beeindruckt. So sehr, dass wir beschließen, auch noch das zweite Spiel anzuschauen, in dem die Engländer die Rumänen mit 6:0 vom Platz fegen. Anatol (5), der auf ein 1:0 der Rumänen gesetzt hatte, wird schnell klar: Meinen Tipp kann man vergessen. Ein magentafarbener Helium-Luftballon mit „Euro-2017“-Aufdruck tröstet ihn darüber hinweg.

Wenn unsere Jungs am Mittwoch nicht gegen England untergehen, wird es ja vielleicht etwas mit Rubens Wunsch: Dass wir zum Endspiel Deutschland gegen X am nächsten Samstag wiederkommen.

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Die gute Frage (42)

„Alle stammen vom Affen ab“, erklärt Ruben seinem kleinen Bruder.
– Und Theo?, fragt Anatol zweifelnd.

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Not Duft

In Berlin wird ja die Einführung von Unisex-Toiletten diskutiert. Als wir irgendwie auf dieses Thema kommen, fragt Mama Ruben:
– „Wie findest du Gemeinschaftstoiletten?“
– Also vom Grund her finde ich die gut, aber vom Gestank her ist es ätzend. Eigentlich müsste es Stinkoir heißen, nicht Pissoir.

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Theodizee

Anatol: Theodor hat gesagt, dass Gott sterbt. Aber Gott wird nicht tot. Er macht ja auch das Sterben..
Ruben: Die Frage ist nicht, ob Gott sterben kann, sondern ob er überhaupt existiert.

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Meanwhile at the ranch

Der eine oder andere geneigte Leser mag sich gewundert haben, dass hier schon länger nichts mehr (öffentlich) gepostet wurde. Das hat einen simplen Grund: Mein Sohn, inzwischen 8,5 Jahre alt, hatte mir zwischenzeitlich verboten, weiterhin aus seinem Leben zu berichten. Und da ich die Persönlichkeitsrechte meiner Kinder ernst nehme, war es das dann mit dem Bloggen. Zwischenzeitlich ist einiges passiert: Mein Vater ist gestorben, meine Frau hat einen neuen Job, wir haben das Auto abgeschafft, Ruben fährt mit dem Skateboard zur Schule und Anatol (5) erwägt, in den Fußballverein seines Bruders einzutreten. Heute dann der große Moment: Ruben erlaubt mir großmütig, meine handverlesene Leserschaft wieder mit ausgewählten Alltagsdialogen zu unterhalten. Et voilà.

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Eröffnungsspiel

Mama ist Tennisspielen. Papa muss beide Kinder ins Bett bringen. Erst gibt es Nudeln, dann hängt Papa die Wäsche auf und befüllt die Spülmaschine. Und weil die Kinder beim Abräumen geholfen haben, bleibt noch Zeit für „Welches Tier fehlt hier“. Ein Wutanfall gegen Ende der dritten Runde beendet das Spiel. Die Drohung „wenn du dich so benimmst, kannst du nachher nicht…“ hilft auch diesmal, weitere Eskalationen zu verhindern.

Heute ist das Eröffnungsspiel der Fußball-EM. Und wie es sich bei wichtigen Fußballspielen eingebürgert hat, darf Ruben (7,5) zunindest die erste Halbzeit gucken. Voraussetzung: Er geht  zunächst mal regulär ins Bett, damit Anatols Abendabläufe nicht gestört werden.

Anatols Abendabläufe sehen aber heute gar keinen Schlaf vor. Es ist kurz vor acht. Da wir uns ohnehin gerade auf dem Wohnzimmer-Sofa befinden, nachdem wir die Geschichte vom kleinen Onkel gelesen haben, ordnet Papa an: Alle schlafen auf der Liegelandschaft. Ruben schläft sofort ein, Anatol mümmelt vor sich hin, Papa wäre fast schon entschlummert, als klappernd etwas zu Boden fällt. Das Buch ist in die Lücke zwischen Sofa und Heizung gefallen. Leider auch Papas Brille.

Anatol hilft mit Begeisterung, während Ruben den Schlaf der Gerechten  schläft. Im dritten Anlauf finden wir die Sehhilfe: Sie ist genau zwischen zwei Lamellen des Heizkörpers gefallen.

Dann ist es Zeit, den Fernseher anzuschalten. Die Eröffnungsfeier ist schon im Gange. Ruben fährt kurz hoch, legt sich dann aber gleich wieder hin. Anatol ist begeistert von den buntgekleideten Tänzerinnen: Die Brunzessinnen sind wunderschön! Vor allem die mit den rosa Kleidern haben es ihm angetan.

Inzwischen ist Ruben endgültig wieder wach, was ja passt, denn gleich ist Anpfiff. Anatol bearbeitet mithilfe eines Steckens den weißen Sessel, der neben dem Fernseher steht.
– „Was machst du da?“
Ich mache den Sessel sauber.
Leider steht Anatol gelegentlich im Bild, was für Unmut im Publikum sorgt.

In der zwanzigsten Spielminute ruft Töli dann unvermittelt: Oh nein, ich glaub Frankreich verliert! Bislang hatte er den Spielverlauf kaum verfolgt. Dann ist Halbzeit. 0:0. Papa schaut das heute journal, und solange keine schlimmen Bilder kommen, darf Ruben mitschauen.
– Ist das ZDF oder AFD? Oder wie heißt dieser andere Sender?
Papa erklärt den Unterschied zwischen ARD und AFD.
– „Die AFD ist so eine blöde Partei.“
– Ja, ich weiß. Das hast du mir schon erklärt. Und wie findest Du die Grünen?
– „Besser.“
– Und die CDU?
– „Nicht so gut, aber auf jeden Fall besser als die AFD.“

Nachdem das geklärt ist, hat Ruben noch eine Killerfrage. Magst du Reus lieber als die AFD, möchte er wissen und zeigt auf eine FIFA-365-Fußballkarte, die Onkel Mark ihm netterweise geschickt hat. Papa kann kaum noch die Augen aufhalten.

Dann betritt Mama das Wohnzimmer. JAAAA! rufen Anatol und Ruben begeistert.
„Kinder putzmunter, Papa eingeschlafen“, murmle ich müde. Gemeinsam schauen wir uns die zweite Halbzeit an. Als Ruben sich noch ein Joghurt holt, fällt das 1:0 für Frankreich. Dann gibt es Elfmeter für Rumänien: 1:1. Kurz vor Ende der Partie schießt Payet das 2:1 für die Franzosen. Obwohl wir vorab geklärt haben, dass wir für die Blauen sind, drücken wir alle heimlich den Rumänen die Daumen.
Irgendwie hab ich jetzt auch Bock, dass die noch das 2:2 schaffen, sagt Ruben.
„Bäh“ schreit der Bock…, zitiert Anatol ein Kinderlied.

Aus, aus, das Spiel ist aus! Es ist elf Uhr, und alle gehen ins Bett.

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Kuscheltier (Standby)

Wir haben Besuch. Die KInder haben beschlossen, zu viert in Rubens Zimmer zu schlafen. Carla (7) sucht noch ihr Kuscheltier. Ruben wundert sich, dass sie noch eines braucht.
– „Hast Du denn kein Kuscheltier?“, fragt Carlas Papa meinen Großen.
Kein aktives, retourniert Ruben cool.

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Ich bin vier

Die Szene ein Spielplatz.

Zunächst sind wir fast ganz allein, buddeln mit den selbst mitgebrachten Schaufeln tiefe Löcher und bauen mit Eimer und Förmchen eine Burg. Da tritt ein kleines Mädchen näher, das sich offenkundig für Anatol und mehr noch für sein Spielgerät interessiert.
Du darfst nicht. Ich spiele hier mit dem Papa, sagt Anatol. Ich bin vier.
Das Mädchen ist noch keine zwei. Später überlässt Töli seine Gerätschaften großzügig der kleinen Interessentin. Aber du darfst nicht die Burg kaputt machen!

Jetzt ist Bewegung angesagt. Anatol wartet, bis alle gucken, dann flitzt er die Rutsche runter.
– Ich bin schon vier Jahre alt,
informiert er eine der umstehenden Mütter.
Ich bin neununddreißig erwidert die rotblonde Frau und lächelt.

– Ich bin vier, informiert Anatol einen Opa, während er über die Stein-Quader der Wasser-Plansche balanciert.
– „Na gut, dass wir das jetzt auch wissen“, brummt der Mann nicht unfreundlich.

Seit knapp zwei Wochen ist Anatol nun nicht mehr drei, und der lang herbeigesehnte Geburtstag war in vielerlei Hinsicht eine Zäsur. Wenn ich vier bin, brauche ich keine Wille mehr, hatte mein kleiner Sohn schon frühzeitig verkündet. Und tatsächlich Wort gehalten. Seit dem Jubeltag gibt es nur noch nachts eine Windel – und dafür tagsüber das eine oder andere Malheur. Aber Püppi wird jetzt überwiegend ins Klo gemacht oder ins Gebüsch, wenn gerade kein Klo zur Verfügung steht. Manchmal geht auch was in die Hose. Aber das ist ja normal.

Fahrradfahren steht noch nicht auf der Agenda. Höchstens bei Papa. Doch an seinen selbstgesteckten Zielen lässt sich Anatol gern messen. Er springt sechs Stufen herunter, wenn Papa fünf ausreichend findet. Er ist jetzt, schließlich, endlich: vier.

 

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Holzwege

Ulf, deine Einschätzungen waren nicht ganz richtig, belehrt Ruben seinen Großvater, der ihm nicht zugetraut hatte, ein derart großes Stück Holz in den Schubkarren zu wuchten. Nebenan wird gebaut. Dafür wurde das Nachbargrundstück gerodet, und der schöne Wald meiner Kindheit ist weg. Die Großeltern haben die Gelegenheit genutzt, schnell noch ein paar sturzverdächtige Bäume auf ihrem Grundstück fällen und in handliche Einzelteile zersägen zu lassen. Letztere transportieren wir nun mit der Schubkarre vom Hang weg. Anatol und Ruben helfen nach besten Kräften und können schon erstaunlich große Stücke heben. Aber wegfahren muss das schwere Zeug dann natürlich Papa.

Um die Kurve durch das kleine Gatter zu kriegen, muss ich ganz schön die Hacken in den Boden stemmen. Zweimal bleibe ich dabei mit der Stirn am Stacheldraht hängen, der noch über das Gatter gespannt ist. Irgendwann habe ich es aber raus, gleichzeitig zu bremsen, die Kurve zu kriegen und mich im richtigen Moment zu ducken. Anatol ist mir dabei stets auf den Fersen. Er möchte helfen – und Leerfahrten vermeiden. Kaum haben wir uns der Fracht entledigt, deutet er auf unser Transportmittel und sagt: Ich möchte in die Schublade und wieder hochfahren!

Behände klettert er in die Schubkarre, sein Vater holt Schwung und tief Luft, rollert den Hügel hinauf und denkt: Man muss sich Papa als glücklichen Menschen vorstellen.

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Krass

Zu Ostern hat Anatol von Oma einen Notarztwagen samt Infusionsapparatur und Arztfigur bekommen. Wie bei Playmobil üblich, befindet sich im Karton auch ein Werbezettel mit diversen ebenfalls erhältlichen Abenteuer-Spielwelten. Nach dem Motto: Kinder, denen ihre Eltern Krankenwagen gekauft haben, interessieren sich auch für Cowboys und Indianer oder Dinosaurier.

Anatol kommt vom Wohnzimmer ins Esszimmer, wo die Erwachsenen noch beim Frühstück sitzen, und hält allen reihum den Werbezettel hin.
Der Ruben hat gesagt, er findet das voll krass, sagt er und zeigt auf eine Wildwest-Szene. Oma, was findest du krass?
Oma studiert pflichtschuldig den Zettel und deutet dann auf eine andere Szene. „Das hier finde ich krass.“
Papa wählt ein unverfängliches Dinosaurier-Set. Und noch was mit Cowboys. Töli ist zufrieden.
Dann ist Mama dran. Sie entscheidet sich für gleich zwei Szenen. Leider sind es die falschen: Nein, das findet der Papa schon krass!

 

 

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Hyperbolik und Realität

Rubens neues Lieblingslied ist Haus am See von Peter Fox, der selbsterklärten Abrissbirne für die deutsche Seele. Darin kommt die Zeile vor: Ich hab zwanzig Kinder und meine Frau ist schön. Als wir das Lied beim Frühstück zum zweiten Mal gehört haben, sagt Anatol: Aber zwanzig Kinder ist zu viel! Schließlich könnten die doch unmöglich alle gleichzeitig in die Kita gebracht werden, führt mein fast Vierjähriger weiter aus. „Und für die Windeln bräuchte man einen eigenen Container“, ergänzt Mama. Und Papa freut sich still, dass sein Großer schon für Dicke-Hose-Selbstironie empfänglich ist und der Kleine so viel praktischen Hausverstand beweist.

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Die gute Frage (41)

– Wie alt bist du, Papa?, fragt Anatol (fast 4).
– „46“, antworte ich.
– Und wann bist du erwachsen?

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Das Duell

Nachdem wir Papas Fahrrad zum Reparieren gebracht haben, spielen wir Fußball im „Käfig“ auf der Körtestraße. Papa steht im Tor, während Ruben und ein etwa gleichaltriger Junge sich verbissen beharken. Irgendwann, es steht gerade 1:1, fragt Ruben beiläufig:
Welche Klasse?
– Dritte,
antwortet der Junge und lässt Ruben elegant aussteigen. Du?
Zweite, erwidert sein Gegenspieler und luchst ihm den Ball wieder ab.
Schreibschrift?, stellt der Drittklässler die Killerfrage.
Ruben nickt cool und stürmt Richtung Tor. 2:1

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