Der Eishalter, oder: Big brother is watching out for you

Dass mein Sohn eine soziale Ader hat, ist nicht nur mir schon früh aufgefallen. Auch die Erzieher im Kindergarten und in der école maternelle loben die fürsorgliche Art, die Ruben bei aller gelegentlichen Rabaukenhaftigkeit immer wieder an den Tag legt. Er teilt sein Essen mit anderen Kindern und bringt auch schon mal ein weinendes kleines Mädchen zu seiner (also ihrer) Mutter.

Kürzlich holte ich meinen Großen von der école ab und hatte wie immer Anatol (13 Monate) im Kinderwagen dabei. Trotz eines viralen Infekts war der Kleine gut gelaunt – die Sonne schien, und es wehte ein angenehmer Wind. Da lag es nahe, sich wie 50% der Schüler bei Tonino in die Schlange zu stellen.

Tonino ist der Eisverkäufer, der bei schönem Wetter nach Unterrichtsschluss mit seinem Eismobil praktischerweise direkt vor dem Schuleingang steht. Es gibt viele solcher Eismobile in Brüssel, aber nur das Eis von Tonino ist wirklich gut.

Wir holten uns also zwei Eis (oder sind es Eise?) und schickten uns an, in Richtung Park zu laufen. Doch wir hatten die Rechnung ohne den kleinen Bruder gemacht. Der eben noch so gutgelaunte Anatol war hoch empört, dass wir uns ohne ihn amüsierten. (Normalerweise lasse ich mir von Tonino einen leeren cornet extra geben, damit Anatol auch was zu knabbern hat. Aber an diesem Tag sagte mir mein Gewissen, „in der Waffel ist Zucker, und der Kleine soll nicht so viel süßes Zeug essen“ – also ging Anatol diesmal leer aus.)

Ich holte ein Obstgläschen hervor und schickte mich an, den nicht amüsierten Bruder zu besänftigen. Doch was sollte ich derweil mit der Eistüte in meiner Hand machen? Ich gab sie Ruben. Und was machte der? Er hielt sie mir immer wieder fürsorglich hin, damit ich, während ich Anatol fütterte, daran lecken konnte. Ich musste ihn sogar bremsen, wenn die hingehaltene Tüte den Füttervorgang behinderte. Doch Ruben ließ sich nicht beirren und bot mir nun auch von seinem Eis an.

Auf dem Bürgersteig vor dem Kinderwagen kniend, war ich zu sehr beschäftigt damit, unfallfrei einen Löffel zwischen Glas und Kindermund hin und her zu manövrieren und das rinnende geschmolzene Eis vom Waffelrand zu schlecken, als dass ich meine Rührung hätte zeigen können. Doch die Szene fiel mir wieder ein, als mir Ruben am Abend desselben Tages beiläufig erzählte: Töli hat schon mal beinahe einen kleinen Gummiball verschluckt. Dann hab ich ihn ganz weit weg gelegt.

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