Kreuzritter

Schräg gegenüber von der Marheineke-Markthalle, kurz vor der Ecke Bergmannstraße/Friesenstraße, befindet sich, in die Häuserzeile eingebettet, eine moderne Kirche. Als solche ist sie nur zu erkennen, weil sie am Giebel ein Kreuz hat, das einem tagsüber kaum auffällt.

Wenn wir abends vom Fußballtraining nach Hause kommen, sieht man das Kreuz schon von Weitem grün leuchten. Bislang hat sich Ruben nie für den Sakralbau interessiert, doch als Neu-Adept von Meister Yoda - nur echt mit dem grünen Schwert! – kam er heute nicht umhin zu bemerken: Wenn man das Kreuz umdrehen würde, wärs ein Laserschwert!

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Die gute Frage (38)

Warum heißt es eigentlich Karstadt? Es müsste doch Kaufstadt heißen!
(Ruben, 6, reflektiert Konsum und Kapitalismus)

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Übung macht den Meister

Papa spürt ein Zipperlein im Rücken, also legt er sich auf den Boden, um eine Entspannungsübung zu machen. Ruben möchte eigentlich da, wo Papa liegt, Fußball spielen, zeigt sich aber erstaunlich verständnisvoll: Ich könnte dir mal ne Übung beibringen, sagt er großmütig. Aber da muss man sehr sportlich sein. So sportlich bist du nicht…”

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Wo eine Wille ist, ist auch ein Weg

Zurzeit ist Anatol ziemlich fixiert auf seine Mutter. Wann immer diese potenziell verfügbar ist, darf nur sie ihm die Schuhe anziehen, ein Brot schmieren, die Windel [Wille] wechseln. So bedarf es hin und wieder eines Kniffs, um den Kleinen dazuzubringen, sich auch vom Papa den Hintern säubern zu lassen.

Bewährt hat sích die “Tick-Tock”-Methode. Dabei nehme ich meinen Sohn an den Füßen, lasse ihn kopfüber vor meinem Körper hin- und herpendeln, laufe gemächlich durch die Wohnung und mache dabei “Tick-Tock”. Steht ein Windelwechsel an, heißt es folglich: “Erst die Wille, dann Tick-Tock!” Das klappt meistens – zu groß ist Anatols Vergnügen am Uhrenspiel.

Diesmal verfalle ich auf einen anderen Trick.
– “Willst du ein Gummibärchen?”
Jaaa!, versetzt mein Sohn begeistert.
– “Wenn du dich ohne Theater wickeln lässt, kriegst du noch eins.”

Wir begeben uns zur Wickelkommode. Anatol lässt sich ohne Murren ausziehen. Ich gebe ihm zur Belohnung noch ein Gummibärchen. Als die neue Windel sitzt, sagt er: No ei Gummibäärse! Bereitwillig rücke ich eines heraus, da sehe ich, dass er das letzte noch gar nicht gegessen, sondern nur unauffällig in seiner Hand verschwinden lassen hat.

– “Du bist ein Schlawiner!”, sage ich lachend.
I bi Anatol! entgegnet mein kleiner Sohn und grinst.

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Hempel ‘n’ Krempel

Anatol (2,75) und ich sitzen auf dem Sofa und spielen Memory. Um uns herum lauter ausgelagerte Möbel: Im Kinderzimmer entsteht gerade ein neues Hochbett, und der Zimmermann braucht Platz für seine Arbeit.

Da kommt Ruben (6) ins Zimmer und will mitspielen. Erst denke ich: “Jetzt ist es vorbei mit dem friedlichen Spiel…” Doch der große Bruder fügt sich geduldig in die Gegebenheiten – was auch dadurch erleichtert wird, dass Anatol inzwischen weitgehend ohne Probleme akzeptiert, dass jeder reihum dran ist und immer nur zwei Karten aufgedeckt werden dürfen.

Nur einmal deckt er eine dritte Karte auf, weil er sich beim zweiten Mal vergriffen hat. Ich will schon streng eingreifen, da sagt Ruben sanft: Komm, lass ihn doch… Ich bin gerührt von seiner Großmut und lasse den kleinen Bruder gewähren. Ruben schaut mich milde lächelnd an. Dann schweift sein Blick über die Möbel- und Kuscheltierausstellung um uns herum, und er sagt: Hier sieht’s ja aus wie Hempels unterm Sofa!

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Dramolett

Die Szene: Eine Wohnung in Berlin-Kreuzberg. Aus der Küche ertönt Radiolärm, aus dem Bad das Geräusch eines Haartrockners.

Ruben (6, aus dem Kinderzimmer rufend; es klingt dringlich): Mama!
Anatol (2, im Esszimmer auf seinem Hochstuhl sitzend; er klingt indigniert): Die Mama föhnt!
Ruben (jammernd): Mama!
Anatol (sanfter): Die Mama föhnt.

(Vorhang)

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Uneigennütziger Rat

Ein Wochenende. Anatol spielt gutgelaunt im Kinderzimmer mit seinen Handpuppen. Ab und an hilft er Papa dabei, die diversen Aufkleber vom Stockbett abzukratzen, damit sich die bisherige Bettstatt noch verscherbeln lässt. Es ist mitten am Tag. Ich grüble, wie es wohl werden wird mit dem neuen Hochbett, das ein Handwerker bald maßschneidern und montieren wird. Werden die beiden Brüder sich vertragen, wenn sie künftig nebeneinander statt wie bisher untereinander schlafen? Werden wir dort jeden Abend auf vier Quadratmetern zu viert schlafen oder dürfen Papa und Mama ab und zu auch alleine als Mann und Frau in ihrem Ehebett schlafen? Papa! unterbricht Anatol meine Grübeleien mit einem konstruktiven Gedanken, der von ebenso kontextloser wie zenhafter Rätselhaftigkeit ist: Is slage vor, Rube, Mama und Papa putze die Zähne! Was er selber vorhat, verrät er nicht. Doch er grinst. Vielleicht sollte ich öfter auf meinen Sohn hören. Und weniger grübeln.

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Kriegsgewinnler

Einer der größten Streitpunkte unseres an Konflikten nicht armen Familienlebens ist die allabendliche Frage, welche CD zum Einschlafen eingelegt werden soll. An drei von vier Tagen ist die Sache klar: Irgendeine Folge von Margit Auers Schule der magischen Tiere muss her. Wirklich eine der besten Kinderbuch-Reihen, die ich kenne – zumal eine der seltenen, die sich sowohl an Jungen wie an Mädchen richten. Trotzdem sehne ich den (Gott sei Dank nicht mehr fernen) Tag herbei, an dem Band 4 als Hörbuch erscheint… (und bald darauf Bd. 6 als “richtiges” Buch).

Anatol hat die magische Dauerbeschallung anfangs gutmütig hingenommen. Inzwischen regt sich aber regelmäßig Protest. Musik hörne! heißt es dann mit leicht empörtem Ton. Nicht die Tiere! Worauf Ruben die verfolgte Minderheit gibt und Sätze sagt, die mit Immer… beginnen. Oft sagt er auch nur: Immer! Womit aus seiner Sicht alles gesagt ist. Zwar hören wir dann tatsächlich manchmal Quadro Nuevos Schöne Kinderlieder oder 60 Comptines & formulettes pour Crèches (denen auch Ruben einst mit Begeisterung lauschte), but more often than not läuft es eben doch auf Ida, Benny und Co hinaus.

Gestern dann Anatols Rache. Schon seit Tagen etwas malad, war der große Bruder fieberbedingt bereits um sieben eingeschlafen. Rube krank! Wi könne Musik hörne!, frohlockte little brother ungeniert. Und setzte voller Befriedigung hinzu: Nicht die Tiere!

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Mögen Rocker Rügen?

Anatol (2,75) ist schon erstaunlich weit in seiner sprachlichen Entwicklung. Finde ich. Aber das liegt natürlich vor allem daran, dass die Zeit schneller vergeht, als meine Seele mithalten kann.

Mein Sohn sagt inzwischen Sätze wie Kann nis aufräume, hab Bauchweh! (Wahlweise auch Kann nis aufhebe, hab Bauchweh!). Oder Ers Zähneputze, dann lese wi ein Buch! Manche Laute fallen ihm noch schwer. So ist die Mandarine familienintern bei uns als Mariege, die Möhre als Möge und die Paprika als Pakika bekannt.

Mein Lieblingswort ist allerdings der Rocker. Den holt Anatol, wenn er irgendwo hinaufklettern möchte oder “nicht an kommt”, wie meine Frau norddeutsch zu sagen pflegt. Und wenn endlich das Kakaopulver in der warmen Milch versunken ist, heißt es rügen - damit sich das Ganze auch schön vermischt.

Heute früh, als ich den Kleinen in die Kita brachte, fragte ich ihn, ob er immer noch mit seinem Freund Thiess spiele. Noch vor einem halben Jahr waren die beiden unzertrennlich. Doch seit Thiess in die Gruppe der etwas älteren Kinder aufgerückt ist, haben sich die beiden offenbar etwas auseinandergelebt. Jedenfalls antwortete Anatol: Nei, mit Tededo [Theodor]! und fügte hinzu: Mein Freund!

Ich war gerührt. Es war das erste Mal, dass er dieses kleine große Wort in den Mund nahm. Dass mein Sohn eine Persönlichkeit ist, wusste ich schon immer. Aber dass er nun Sachen sagt wie Hand weg! Oder zur Tür deutet und anordnet: Da! Weggehne! Daran muss ich mich erst noch gewöhnen. Und darum schreib ich das hier auf, bevor mein Sohn endgültig die korrekte Verwendung des Binnen-Rs lernt. Denn es wird der Tag kommen, da wird Anatol sprechen wie ein Großer: Preiselbeeren, Halleluja!

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Teufelsberg (Silvester-Nachlese)

Ich hasse die Leute, die immer so rumlaufen!, sagt Ruben bestimmt. Wir sind einmal um den Teufelsberg herumgelaufen, Berlins einzige nennenswerte Erhebung, irgendwo im Grunewald. Und haben unterwegs lauter Menschen in lustigen Kostümen getroffen, die sich keuchend die Anhöhe hinauf gequält haben, manche im Schottenrock, andere mit Zipfelmütze oder Superman-Cape, einige auch im stinknormalen Laufdress. Für einen Silvesterlauf ist es das denkbar ungünstigste Wetter: Es ist nasskalt, der eben noch so schöne Neuschnee ist unansehnlichem Matsch gewichen. Immerhin gibt es hier noch genügend Schnee, um die Kinder auf dem Schlitten durch die Gegend zu ziehen.

Wir wussten nichts von dem hier angesetzten Silvesterlauf, der uns zwingt, an anderer Stelle zu parken als ursprünglich geplant. Die Rodelbahn werden wir zwar letztlich nicht finden, doch unterwegs ergibt sich unverhofft die Gelegenheit, bergab zu rodeln – und freundlich-neidische Kommentare der masochismusbegabten Läuferschar entgegenzunehmen, die sich bergan quält.

Unsere Freunde A. und B. sind zu Besuch mit ihren beiden Kindern Bennet und Marietta, die altersmäßig genau zu Anatol und Ruben passen. Da wir schon eine ganze Weile unterwegs sind und die Rodelbahn immer noch nicht gefunden haben, das Auto jottwede steht und wir noch nach Kreuzberg fahren müssen, um Vorbereitungen für den Silvesterabend zu treffen, beschließen wir, dass A. und B. die beiden Autos holen, während meine Frau und ich mit zwei Schlitten, einem zum Kinderwagen umfunktionierten Fahrradanhänger und vier Kindern vermeintlich rodelbahnwärts ziehen.

Dabei entspinnt sich folgender Dialog zwischen zwei sechsjährigen Schulanfängern:
Bennet (genervt, weil er den Schlitten ziehen muss): Mein Papa hat am mehrsten gezogen [den Schlitten]!
Ruben (etwas ungläubig, aber nachsichtig): Das heißt am meisten!
Bennet: Ich kann nicht mehr!
Ruben (obwohl gerade keine Läufer zu sehen sind): Ich hasse die Leute, die immer so rumlaufen!

Durch tarkowskiesken Nebel wandernd, ziehen wir unsere Gefährte einen weiteren Hügel hinan, diesmal ist es der Drachenberg. Doch oben gibt es nur Pfützen und Matsch und einen eisigkalten Wind. Enttäuscht kehren wir wieder um. Beinahe hätten wir das tarnfarbene Tier übersehen, das uns aus fünfzig Metern Entfernung lauernd ansieht: Ein Fuchs, der kurz vor Jahresschluss noch einen letzten Rundgang durch sein Revier macht. Doch die Kinder sind schon viel zu erschöpft, um in ehrfurchtsvolles Staunen zu verfallen. Trotzdem werden drei von ihnen bis Mitternacht durchhalten (für unsere beiden Kinder eine Premiere), interessiert bis erschreckt das allfällige Geknalle zur Kenntnis nehmen und mit Apfelsaft aufs neue Jahr anstoßen. Möge es ein gutes werden!

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Eine kurze Geschichte des Weihnachtsmanns

Heute hat Anatol das Wort Weihnachtsmann gelernt. Denn der Weihnachtsmann kam höchstpersönlich in der Kita vorbei!
– “Hat der Weihnachtsmann auch was gesagt?”, fragt Mama.
Der Weihnachtsmann hat nicht gesprochen, erwidert Anatol. Ich hab den Weihnachtsmann aufgegessen.

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Die gute Frage (37)

Papa, ausgedachte Menschen, die haben doch noch nie was Süßes gegessen, oder? Also Meister Yoda zum Beispiel…
(Ruben sorgt sich um das leibliche Wohl fiktionaler Außerirdischer)

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Töli rules

Während Mama Ruben aus dem vierten Band der Schule der magischen Tiere vorliest, spielen Anatol und Papa Memory. Das Prinzip des Spiels hat mein zweieinhalbjähriger Sohn schnell verstanden, nur dass man bloß zwei Karten umdrehen darf – das sieht er nicht ein. Deshalb gelten die üblichen Regeln nur für Papa, Anatol dreht so lange Karten um, bis er seine zwei Schafe oder Flugzeuge beieinander hat.

Am Schluss schauen wir, wer wie viele Paare hat. Erst legen wir die Stapel nebeneinander, um zu sehen, welcher größer ist. Gleichstand! Dann legen wir die Enten, Mäuse und Autos paarweise auf den Tisch. Bedächtig zählt Anatol die Karten: Eis, viier, aaat, säs, neu, aaat, siebe… Drei vor, eins zurück. Erst mal selber gucken, wo es lang geht. Umwege erhöhen die Ortskenntnis.

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Meister Yoda

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Grün, grün, grün sind alle meine Schwerter… Der große Rubelmann im neuen Outfit (danke, Tante Sonja!)
(Foto: rubelmann.net)

Zu dem Eindruck, einer Rubelmann-Festspielwoche beizuwohnen, trug auch der Umstand bei, dass auch noch nach dem B-day jeden Tag ein weiteres Geschenk eintraf. Zuletzt das Master-Yoda-Kostüm aus Krieg der Sterne, das sich Ruben so sehnlich gewünscht hatte.

Zwar hat mein sechsjähriger Sohn den Film noch nie gesehen und darum nur eine vage Ahnung, dass es sich bei Master Yoda um “das Oberhaupt des Rates der Jedi und eine[n] der weisesten und mächtigsten Jedi-Meister aller Zeiten” handelt, wie Wikipedia uns aufklärt. Dafür erweist sich sein zweieinhalbjähriger Bruder als sehr ironiebegabt.

Als er seinen großen Bruder in vollem Ornat da stehen sieht, und dieser bemängelt, dass leider eine entscheidende Sache fehle…
( – Du weißt ja, was ich meine…
– 
“Du meinst das Schwert?
Genau! Das muss grün sein und nicht rot )
stimmt Anatol unbekümmert eine alte Weise an: Meister Yoda, Meister Yoda, slääfst du noch…

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Farbenlehre

- Kennst du diesen grünen Ninja?
- … ???
– Der ist richtig schlecht!
– … 
“mhmm…”
- Aber der lilane Ninja – der ist richtig geil!

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