Hitler und Napoleon

Aus irgendeinem Grund, den ich vergessen habe, muss ich Ruben erklären, warum es Nazis gegeben hat (bei dieser Gelegenheit fällt mir unweigerlich Woody Allen ein: “Papa, warum hat es eigentlich Nazis gegeben?” – “Woher soll ich wissen, warum es Nazis gegeben hat – ich weiß ja nicht mal, wie dieser Dosenöffner funktioniert.”). Als ich gerade erklären will, wer Adolf Hitler war, unterbricht mich mein sechsjähriger Sohn und sagt: War das nicht der Mann, der schlimme Sachen gemacht hat und dann auf einer kleinen Insel wohnen musste?

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Small talk

Ruben (6): Jetzt ist 19 Uhr!
Anatol (3): Ja, das ist so manchmal…

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Richtig. Nicht richtig

Anatol hat nicht nur den Smalltalk für sich entdeckt, sondern auch die Quizfrage:
Wer bist du? fragt er mich. Martha oder Papa?
Ich rätsle, wer Martha ist, sage aber vorsichtshalber: “Papa.”
Richtig! ruft mein dreijähriger Sohn begeistert aus – es fehlt gerade noch, dass er einen Luftsprung macht wie weiland Hans Rosenthal.
Das Kreuzverhör geht weiter:
Freund oder Mama?
Hmm, schon schwieriger: “Freund?”
Anatol reißt die Arme hoch: Richtig!
Puh!

Aber schon kommt die nächste Frage: Haus oder Luftballon?
“Haus!” sage ich entschieden.
– Richtig!
Da habe ich ja noch mal… Glück gehabt.

Ich sehe meinem Sohn bereits an, dass ich es mit der nächsten Frage nicht so einfach haben werde. Und hier kommt sie auch schon, die Killerfrage: Was willst du: Apfelsaft oder Banane?
-“Banane”, sage ich fatalistisch.
Nicht richtig! entgegnet Anatol fröhlich.

Schwamm drüber. Uns bleiben ja noch die W-Fragen:
Warum isst du auch eine Bratwurst mit Reis?
– “Weil du dir das als Mittagessen gewünscht hast”, erwidere ich freundlich.

Das lässt der Quizmaster gelten.

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Tannenbaum revisited

Das ganze Wohnzimmer ist ein Kissenmeer. Anatol hat alles, was er finden konnte, ausgebreitet: große Kissen, kleine Kissen, Decken, Kuscheltiere. Nun ist es Zeit aufzuräumen. Papa übernimmt die Decken und die großen Kissen. Anatol (3) trägt die beiden Kissen mit dem Auto-Design, die er und sein Bruder zur Einschulung beziehungsweise zu Weihnachten bekommen haben. Das habe ich vom Weihnachtsmann bekommen, sagt er und hebt das etwas größere der beiden Schlafkissen hoch. Dann wedelt er mit dem kleineren: Und das vom Tannenbaum!

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Schafsinn

– “Und was macht das Schaf?”, fragt Mama.
Na, mäh…, sagt Anatol

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Killerfrage

Ruben fällt es schwer einzusehen, dass er jetzt schon ins Bett soll, wo es doch draußen noch hell ist. Ich erkläre, dass es von der Jahreszeit und vom Ort abhängt, wie hell es zu einer bestimmten Uhrzeit ist, wir aber trotzdem meist zur selben Zeit ins Bett gehen, damit wir morgens ausgeschlafen sind.
– “In Belgien ist es zum Beispiel länger hell als hier”, erkläre ich. “Das liegt glaub ich daran, dass Brüssel nordwestlich von Lohr ist.”
– Und warum sind wir dann nicht da geblieben?

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Teilnahmebedingung

Ostersonntag. Die Nester sind gefunden, die Eier weitgehend verspeist. Während sich Anatol und Mama an Memory versuchen, spielen Oma, Papa und Ruben Elfer rausNach der dritten Runde verliert Ruben die Lust. Er fragt, ob er auch bei Memory mitspielen dürfe. Anatol überlegt kurz und stimmt dann zu – unter einer Bedingung: Aber ich gewinn!

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Thronrede

Abendessen bei Oma und Opa. Alles redet durcheinander. Anatol (kurz vor drei) betrachtet von seinem Hochstuhl aus gut gelaunt das familiäre Treiben. Dann wird es ihm zu bunt: Hört mal auf, Leute! Schlagartig ist es still. Papa und Oma biegen sich vor Lachen. Anatol grinst breit. Dann ist die Tafel aufgehoben, und König Anatol lässt sich von seinem Thron herunterheben.

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Kurz vor knapp

Ist es kurz vor sechs?, fragt Ruben, seine Optionen wägend.
“Ja”, sagt Papa.
Aber halbsechs ist noch kürzer!

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Krötenwanderung

Die Dämmerung zieht übers Land. Wir sind schon 400 Kilometer gefahren, bald haben wir es geschafft.

Mama, wann sind wir bei Oma und Opa?, fragt Anatol alle paar Minuten. Damit die Zeit schneller vergeht, singen wir Kinderlieder: Hab ne Tante in Marokko (und sie kommt) und Alle, die mit uns auf Kapernfahrt fahren.

Bei Hammelburg verlassen wir die Autobahn. Alle paar Kilometer sind Schilder zu sehen mit einem Frosch drauf: “Das heißt: Achtung, Krötenwanderung!”, erklärt Papa. “Im Frühling wandern die Frösche und Kröten zurück zu ihren Teichen”, ergänzt Mama.

Mir tun die Kröten so leid, sagt Ruben. Du darfst die nicht tot fahren, Mama!
Im selben Moment sehen wir vor uns eine kleine Krötenkolonie. Mama reißt das Lenkrad herum und umkurvt sie geistesgegenwärtig. “Aber wenn ein Auto entgegenkommt, können wir nicht ausweichen”, sagt Papa. “Sonst sind wir selber tot.”

Es gelingt uns, die Krötenregion ohne weitere Schlenker hinter uns zu lassen. Aufatmen. Da mahnt Anatol noch ein letztes Mal: Nicht die Schildkröte kaputtmachen, Mama! Die ist süß!

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Köln oder Neukölln (Hauptsache Fußball)

Mama hat Karten für Hertha gegen Köln besorgt. Das Spiel ist erst in ein paar Wochen, aber wenn man in den Familienblock will, muss man rechtzeitig Tickets kaufen. Ruben war noch nie im Olympiastadion.
Glaubst du, Köln ist gut? fragt Ruben.
– “Ach, die spielen gegen Köln?”, sagt Papa, der ausnahmsweise nicht mitgeht und darum nicht ganz im Bilde ist.
Stell dir vor, die spielen gegen Neukölln, erwidert Ruben. Gegen Neukölln haben wir sogar gewonnen!

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Ninja, go!

Nachdem, krankheitsbedingt, das Einschlafritual wochenlang zu dritt stattfinden musste, liegen wir heute zur Abwechslung mal wieder zu viert auf vier Quadratmetern Hochbettfläche. Einer der Jungs schlägt vor, etwas zu singen. Abwechselnd stimmen Anatol und Ruben Strophen eines bekannten Kinderliedes an.

Grün, grün, grün sind alle meine Kleider. Grün, grün, grün ist alles, was ich hab, singt Anatol. Darum lieb ich, alles was so grün ist, weil mein Schatz… Dann weiß er nicht mehr weiter.
Ein Frosch? Ein Krokodil?, springt Ruben helfend ein.
– ...ein Ninjago ist!, vollendet Anatol den Satz.

Der grüne Ninja ist überall.

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Kreuzritter

Schräg gegenüber von der Marheineke-Markthalle, kurz vor der Ecke Bergmannstraße/Friesenstraße, befindet sich, in die Häuserzeile eingebettet, eine moderne Kirche. Als solche ist sie nur zu erkennen, weil sie am Giebel ein Kreuz hat, das einem tagsüber kaum auffällt.

Wenn wir abends vom Fußballtraining nach Hause kommen, sieht man das Kreuz schon von Weitem grün leuchten. Bislang hat sich Ruben nie für den Sakralbau interessiert, doch als Neu-Adept von Meister Yoda – nur echt mit dem grünen Schwert! – kam er heute nicht umhin zu bemerken: Wenn man das Kreuz umdrehen würde, wärs ein Laserschwert!

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Die gute Frage (38)

Warum heißt es eigentlich Karstadt? Es müsste doch Kaufstadt heißen!
(Ruben, 6, reflektiert Konsum und Kapitalismus)

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Übung macht den Meister

Papa spürt ein Zipperlein im Rücken, also legt er sich auf den Boden, um eine Entspannungsübung zu machen. Ruben möchte eigentlich da, wo Papa liegt, Fußball spielen, zeigt sich aber erstaunlich verständnisvoll: Ich könnte dir mal ne Übung beibringen, sagt er großmütig. Aber da muss man sehr sportlich sein. So sportlich bist du nicht…”

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