Ehre, wem Ehre gebührt

Wir haben Gäste: Carla (4) und Paula-Lisa (kurz vor 6) sind mit ihren Eltern zu Besuch aus Hamburg. Nach dem Frühstück animiert Ruben (4,5) sie zu Doktorspielen. Zu dritt marschieren sie ins Esszimmer, Dr. Rubelmann mit Arztköfferchen vorweg, Patientin und Krankenschwester hinterdrein.
- Carla hat dreizehnhundert Fieber, einen grauen Mund und schmutzige Ohren!, verkündet Dr. Rubelmann.
- “Und das hast du alles selber rausgefunden?”, fragt seine Mutter erstaunt.
- Ein bisschen auch die Krankenschwester, gibt der Nachwuchsmediziner zu.

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Die gute Frage (34)

Warum bin ich heute nicht gefühlt worden?
(Fragt Ruben, nachdem er unbehelligt durch die Sicherheitsschleuse des Flughafens Berlin-Tegel marschiert ist)

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Erfahrungswert

Auch andere Kinder sagen unvergessliche Sätze. So zum Beispiel zwei zirka achtjährige Jungs auf dem Spielplatz am Berliner Helmholtzplatz.
- “Wollen wir schauen, ob noch andere Freunde von uns da sind?”
- “Das werden wir im Spiel schon erfahren!”

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Freund Hein

Beim nächsten Mal brech ich dir beide Arme, droht mir mein Sohn. Das ist gelogen – Ruben (4) sagt vielmehr: La prochaine fois je vais casser tes bras. Und wenn man es ganz genau nimmt sagt er: La prochaine fois je vais casser tes bras, hein? Denn was ein anständiger Franzos ist, der hängt an jeden Satz noch eine zünftige Interjektion an – und was dem Berliner sein wa oder dem Bayern sein gell, ist dem Franzmann eben sein hein (gesprochen “äh” – aber da französische Sätze ja selten auf einem Konsonanten enden, meist sehr elegant mit dem vorangegangenem Wort verschmolzen – insofern müsste hier eigentlich noch eine Hörprobe hin…).

Und so höre ich also tagaus tagein Sätze wie c’est pas rigolo, hein (Sse-pari-go-lo_äh) oder il faut pas toucher, hein. Am schönsten aber war es, als ich kürzlich meinen Großen von der école abholte. Erst stürzte er hocherfreut auf mich zu und schmiegte sich an mich. Doch als ich ihn – vor seinen Klassenkameraden! – hochnahm und liebkoste, wand er sich peinlich berührt in meinen Armen und sagte, mehr ans Publikum als an mich gerichtet: Je suis pas un bébé, hein?

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Kamastei, oder: Tanzen wie ein Boxer

- Papa, ich will Kagastei machen.
Verständnislos blicke ich meinen Sohn an. Es ist 8 Uhr morgens, und wir brechen gerade in Richtung école auf. Kagastei - was soll das sein? Vielleicht irgendeine japanische Comicfigur?
- “Was ist das, Kagastei?”, frage ich.
- Nein, nicht Kagastei – KAMASTEI!
- “Kenn ich nicht. Was soll das sein: Kamastei?”
- Na, tanzen wie ein Boxer!

Ich denke an neulich, als wir in der école ankamen, und Rubens “Klassenkameradin” Francesca gerade wie wild den Tanz des Jahres aufführte. Da fällt bei mir der Groschen. Mein Sohn will Gangnam Style tanzen.

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Meer mit Strandszene

Sonntag Morgen, die Familie frühstückt. Das heißt, Mama ist endlich aufgestanden – Ruben und Papa haben schon gegessen und Piraten gespielt. Jetzt möchte Ruben Sterne basteln. Papa und Mama wollen sich aber auch mal unterhalten.
- “Bastel doch erst mal was für die fête de la mère“, sagt Mama.
- “Fête de la mer oder fête de la mère?“, fragt Papa klugscheißerisch.
- “Fête de la mère“, sagt Mama und betont affektiert den accent grave. “Sonst hieße es ja fête du mer.”
- “Nein, fête de la mer, das Meer ist weiblich“, korrigiere ich la mère – ein guter Grund, nach gefühlten zwanzig Jahren mal wieder La Mer von Claude Debussy aufzulegen.

Während in Debussys impressionistischer symphonischer Skizze zart der maritime Morgen graut, kaut Anatol an seinem Graubrot und kräht vergnügt vor sich hin. Derweil Ruben den Turbo anschmeißt und durchs Wohnzimmer fegt – bis er an seinem Stokke-Stuhl hängenbleibt und schmerzverzerrten Gesichts aufheult. Die Schallplatte (ja, es ist gutes altes Vinyl!) hört inzwischen keiner mehr.

“War wohl doch so keine gute Idee mit La Mer“, denke ich selbstkritisch. “Eher so Meer mit Strandszene”, kommentiert meine Frau trocken.

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Pilot, unschuldig

Samstag Nachmittag in der wunderschönen Stadt Limburg an der Lahn. Oma und Opa, Papa und Rubelmann sitzen draußen vor dem Café Kosmol, Limburgs ältester Zuckerbäckerei, und genießen die Sonne. Ruben war eine Woche lang bei den Großeltern im Spessart, jetzt wird er, quasi auf halber Strecke (na ja, nicht ganz) zwischen Belgien und Franken, dem Vater wieder übergeben.

Das Café liegt direkt gegenüber der Franziskanerkirche, weshalb Rubens Blick automatisch auf das Sandsteinkreuz mit dem hängenden Heiland fällt. Damit haben die Soldaten früher immer so gehauen, kommentiert mein Sohn unaufgefordert, aber fachmännisch die Nägel in den Extremitäten Jesu. Und präzisiert: Das hat der Pilot gemacht!

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More or less

Der Ravensburger-Verlag hat klug erkannt, dass Werbung am besten über die Kinder selbst funktioniert – und daher befindet sich am Ende eines jeden Buchs aus der Reihe Wieso? Weshalb? Warum? eine Übersicht, bei der Sohnemann praktischerweise ankreuzen kann, welches Buch er  noch haben möchte.

Als wir wieder einmal das Buch über die Ritter durchblättern, bleibt Ruben an der Bestellseite hängen (wieso habe ich vergessen, sie herauszureißen?).
- Ich will, dass du mir zwei Bücher schenkst: Polizei und Feuerwehr!, verkündet er und deutet auf die entsprechenden Abbildungen.
- “Das heißt ‘Ich wünsche mir…’. Das ist höflicher!”, beharre ich auf zivilisierten Umgangsformen.
- Soll ich nur eins kriegen oder was?

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Halskrankheit

- “Ruben, du hast so eine komische Stimme. Hast du Halsweh?”
- Ich spreche Hochdeutsch.

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Im Kämpfraum (oder: noch mal mit Gefühl)

Es beginnt mit einem Picknick. Wir liegen in der “Höhle”, auf der Matratze unter dem Hochbett, und schauen die Geschenke an: drei Jonglierbälle, ein Nudelholz und eine kleine Dose, die, wenn man sie schüttelt, ein Ziegengeräusch von sich gibt: “Ooo-ooh, Aaa-aah… Ooo-ooh, Aaa-aah!”

Dann heißt es in den Kampf ziehen. Das Nudelholz ist jetzt ein Schwert – mein Schwert, Ruben (4) hat ein “richtiges”. Komm, wir laufen zum Kämpfraum!, sagt mein Sohn. Wir stürmen über den Flur ins Wohnzimmer, mitsamt Schwertern und Bällen. Anatol (11 Monate) lassen wir auf dem Teppich im Kinderzimmer sitzen.

Hier ist schon mal ein Feind, mit dem können wir kämpfen, erklärt Ruben und deutet Richtung Sofa, wo sich der imaginäre Fiesling befindet. Leider schaue ich in die falsche Richtung. Das da ist unser Freund, den müssen wir nicht totschlagen, informiert mich mein Sohn.

Ich werfe kurz einen Blick in den Flur, um zu sehen, was der kleine Bruder macht. Anatol sitzt immer noch auf dem Kinderzimmerteppich, nagt an einem Holzhusky und lächelt. Ich bin beruhigt und nun wieder voller Tatendurst. Wild wedle ich mit dem Nudelholz – pardon: Schwert – und frage: “Wo steht der Feind?”
- Nee, wir sollen nicht kämpfen. Das nutzt doch gar nichts.

Wir nehmen jetzt die Bälle zum Kämpfen. Die sind doch viel härter, doziert Ruben. “Okay”, sage ich. Wir stürmen in den Flur und werfen die Bälle Richtung Kinderzimmer. “Aber Vorsicht wegen Anatol”, sage ich. Anatol lacht nur.

Wir gehen zurück ins Kinderzimmer, und es beginnt ein anderer Film. Ruben rennt kurz raus und kommt wieder zurück. Jetzt kannst du anfangen zu jonglieren.

Leider kann ich nur mit drei Bällen jonglieren. Das hält den Sohn aber nicht davon ab, seinen Vater an seine Grenzen zu treiben. Weiter, ruft er – und wirft mir einen vierten Ball zu.

Das überfordert mich, aber endlich komme ich mal wieder zum Üben. Ich versuche, in den Viererrhythmus zu kommen, indem ich abwechselnd mit links und mit rechts je zwei Bälle in der Luft zu halten versuche.

Anatol wackelt begeistert mit den Armen und macht Ha! Ruben hampelt herum und schreit: Du musst da, wo der Torwart ist, reinjonglieren!

Schließlich spielen wir “Schnickserball” – so nannten wir das jedenfalls in meiner Kindheit. Man spielt es normalerweise am Strand: Jeder hat einen spitz zulaufenden Plastikkorb in der Hand (sieht aus wie eine große Eistüte), mit einer Art Pistolenabzug unten dran, bei dessen Betätigung eine Feder hochschnellt und einen kleinen Plastikball in die Luft schleudert (“schnickst”). Den muss der andere dann mit seiner Tüte fangen (falls jemand weiß, wie das Spiel richtig heißt, please let me know).

Ruben versucht es unermüdlich, aber immer klemmt das Scheißteil. Schließlich sagt mein Sohn mit großer Contenance: Ich probier’s noch mal mit Gefühl – aber es geht nicht.

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Slow down, Moses!

Moses Daumenkino

Rubelmanns erste Übersetzung: Die Moses-Geschichte im Daumenkino-Format zum selber Ausmalen
(Foto: rubelmann.net)

Heute war Ruben in der ökumenischen Kinderkirche und hat in einem Rollenspiel mitgewirkt. Er durfte die Dienerin der Tochter des Pharaos spielen und in dieser Funktion den Moses aus dem Schilfkörbchen heben.

Als er nach Hause kommt, präsentiert er stolz die Bildergeschichte, die eine aufopferungsvolle Laiin kindgerecht gezeichnet, vervielfältigt, geheftet und als Büchlein im (geschätzt) Din-A-7-Format verteilt hat: Das ist mein Buch. Das hab ich für mich übersetzt!

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Brüsseler Humor (4): Shit happens all the time

Noch schlimmer als der Konflikt zwischen Flamen und Wallonen ist in Brüssel nur der Konflikt zwischen Hundebesitzern und Nicht-Hundebesitzern…

2013-03-16 17.40.58

“Hier sollen die Leute laufen – keine Hundehaufen.” Brüssel ist die gefühlte Welthauptstadt der Hundescheiße. Da greift mancher irgendwann zu drastischen Maßnahmen… Gesehen in der Avenue Général Eisenhower, Schaerbeek (Foto: rubelmann.net

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Ein Büro bei den Grünen

Diese Woche üben wir den Unterschied zwischen Polizei und Politik.

Donnerstag Abend, Schlafengehenszeit. Wir liegen in Rubens Hochbett und erzählen. Nachdem Ruben erzählt hat, was er so den ganzen Tag getrieben hat, fragt er: Und was hast du gemacht? Ich erzähle ihm, dass ich die Steuererklärung gemacht habe, erläutere, was der Staat ist, und wozu der die Steuern braucht: Um Schulen zu bauen und Straßen und so weiter. Ich suche gerade nach den richtigen, kindgerechten Begriffen, da fällt er mir ins Wort: Politik! Meine Begeisterung weicht einer Mischung aus Belustigung und Scham, als Ruben fortfährt: Papa, wenn die Leute dir einen Strafzettel geben, dann komm ich mit der deutschen Polizei! Kürzlich bin ich von der belgischen Polizei geblitzt worden.

Samstag Morgen, kurz vor acht. Mama, Papa und Anatol versuchen noch zu schlafen. Enter Rubelmann:
- Wenn ich Gewachsener bin, möchte ich Polizei werden.
[Mama, schlaftrunken:] – “Möchtest du lieber Verkehrspolizist sein oder Kriminalpolizist?”
- Ich möchte die bösen Männer jagen.
-
“Also Kriminalpolizist.”
- Wenn ich Polizei wöhre [wäre/werde], dann wohne ich bei der Mama im Büro bei den Grünen.

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Die Creme, damit man nicht mehr tot ist

Baden mit dem kleinen Rubelmann ist nicht mehr so anstrengend wie noch vor einem halben Jahr. Zum Beispiel kann man ihm jetzt problemlos die Haare waschen, was vor noch nicht allzu langer Zeit immer ein Riesendrama war. Die Angst vor Seife in den Augen machte jeden rationalen Diskurs unmöglich.

Nach einer Übergangsphase, in der Ruben zwischen meinen Beinen saß, den Kopf nach hinten kippte, und ich ihm wie ein Rettungsschwimmer die Hand unters Kinn legte, damit das Seifenwasser nach hinten abfließen konnte, sind wir nun in die heroische Phase eingetreten.

Als ich nämlich gestern nach einer Viertelstunde zweckfreien Gebades  schüchtern meinen Wunsch vortrug, ob man, vielleicht, nicht doch, auch noch, die Haare waschen könnte, und diesbezüglich die bewährte Kinn-Methode vorschlug, sprang mein Sohn auf und erklärte mir großspurig und gestenreich, dass das ja wohl eher was für Dreijährige sei, und er, Ruben, als Vierjähriger natürlich schon richtig Duschen können täte – und zwar so: Er formte beide Hände zu Fäusten und legte sie sich wie eine Art Fernrohr vor die Augen.

Ruben ließ sich widerspruchslos – im Stehen! – die Haare waschen, wie ein Gewachsener – ich war begeistert.

Danach ließen wir das Wasser aus der Badewanne und spielten, während das Wasser ablief noch – hab ich vergessen – kleiner Dalmatiner und großer Dalmatiner oder Papa Wolf und Kind Wolf - jedenfalls: Irgendwann lag Ruben da, kaum noch von Wasser bedeckt, und war der tote Delfin.

Ich musste ihn wieder zum Leben erwecken, mir ging es wie weiland dem Jesus: Papa, mach mal die Creme, damit man nicht mehr tot ist.

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Frühsport auf Broccoli

Von wegen Paradigmenwechsel. Der Winter ist mit aller Macht zurückgekehrt. Über Nacht sind fünfzehn Zentimeter Neuschnee auf die Straßen und Gehwege Brüssels gefallen, und das heißt: Wir fahren wieder mit dem Schlitten in die Schule.

Was die Versuchsanordnung erschwert: Der Schnee kommt heute von vorne – fast waagerecht weht er uns ins Gesicht. Und so stöhne ich, als wir nach einer guten Viertelstunde die kleine Steigung im Parc Josaphat erreicht haben:
- “Puh, das ist ganz schön anstrengend, dich da hochzuziehen.”
- Dann musst du eben Broccoli essen!, versetzt mein Sohn ungerührt.

Irgendwann vor langer Zeit habe ich einmal in meiner Verzweiflung Ruben weisgemacht, dass man vom Broccoliessen ganz besonders viele Muskeln kriegt (was übrigens auch für Blumenkohl, Sellerie und Pastinaken gilt!). Seit dieser Zeit trägt Ruben diese Erkenntnis bei jeder Gelegenheit begeistert vor. Nun habe ich den Salat.

“Okay”, sage ich kleinlaut.
- Dann hast du nämlich mehr Kraft, doziert mein Sohn weiter. Du musst Broccoli essen. Versprichst du mir das?

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