Die gute Frage (40)

Womit verdient man eigentlich Geld, wenn man Fallschirmspringer ist?
(Ruben, 7, lotet Berufsperspektiven jenseits von Fußballprofi und Basketballer aus)

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Heiratspläne, oder: Pech gehabt

“Willst du mich immer noch heiraten?”, fragt Mama.
Ja, sagt Anatol (3,75) und grinst übers ganze Gesicht.
– “Du könntest ja auch die Rosalie heiraten, die passt vom Alter viel besser zu dir…”
Das leuchtet Anatol sofort ein. Er malt das entsprechende Szenario aus – mit allen Konsequenzen: Ich bin Papa, und Rosalie ist Mama, und den Ruben brauchen wir dann nicht mehr!
“Das könnte aber mit Rubens Wunsch kollidieren”, gibt Mama zu bedenken. “Ruben hat ja schon gesagt, dass er mit dir alt werden will!”
Ich möchte aber mit Rosalie heiraten! Der Ruben hat dann eben Pech gehabt.

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Hör mir uff mit Happy End!

Dass Erich Kästners Emil und die Detektive als eines der ersten modernen Kinderbücher gilt, ficht meinen Sohn nicht an. Nachdem wir eine gekürzte Hörspielfassung des Klassikers angehört haben (eine historische Aufnahme mit Helmut Peine als Sprecher), merkt Ruben ungerührt an:
Ich finde Geschichten langweilig. Weil für die, um die es geht, geht es immer gut aus.
“Es gibt aber auch Geschichten, wo das nicht so ist”, wende ich ein. Von denen wünscht sich Ruben offenbar mehr.
Ich möchte mal was lesen, wo es spannend ist – wo man vorher nicht weiß, wer gewinnt.

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Panta rhei

Manche Sachen ändern sich nie: Wie die Windeltüte einem Eisstock gleich über die Dielen zur Wohnungstür schlittert, wie Anatol immer noch nicht “Entschuldigung” sagen kann und stattdessen Tschugilung sagt, wie Ruben das Sprachspiel seiner Mutter imitiert, indem er Und was ich heut erlebt hab, interessiert dich wohl gar nicht? sagt. Und wie mir die Zeit zwischen den Fingern zerrinnt. Höchste Zeit, im Vorübergehen einzufangen, was im Fluss ist und doch immer wiederkehrt. Aber dass man nicht zweimal in denselben… wissen wir ja.

Denn im Laufe der Zeit ändern sich die Dinge doch, unmerklich. Irgendwann wird die Tüte nicht mehr über den Flur flitzen, weil Töli kein Statement mehr daraus machen wird, nicht aufs Klo zu gehen – und  längst gelernt haben wird, “Entschuldigung” zu sagen. Er wird akzeptieren, dass, wer Hilfe braucht, nicht wählerisch sein darf – und nicht mehr bei jedem Handgriff einfordern: die Mama macht des!  Ich werde darob sehr erleichtert sein und klammheimlich auch ein bisschen traurig.

Ruben wird andere, eigene Sprachspiele haben und nicht mehr auf meinen Arm springen, wenn ich nach Hause komme, Anatol mir nicht über den Arm streicheln, wenn wir zusammen kuscheln. Wenn wir überhaupt noch kuscheln.

Whoppa wird eine ferne sentimentale Erinnerung sein. Genauso der Streit um den Adventskalender. Und warum wir ihn abgehängt haben: ohne Belang, wenn nicht unbegreiflich. An die Stelle des Fußballspiels im Wohnzimmer wird das Computerspiel im eigenen Zimmer getreten sein. Das Geschreie und Gemaßregele wird andere Formen angenommen haben, nur die Scham wird immer noch die gleiche sein. Und die Liebe: Eine Quelle die Amen spricht (David Rokeah).

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Die gute Frage (39)

Papa, was ist schlimmer: Fack ju oder Fick dich?
(Ruben sucht seinen Weg zwischen philologischem Interesse und dem Bedürfnis nach Street Credibility)

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Halloween

Welcher Ninja möchtest du sein?, fragt Ruben – und gibt die Antwort gleich selbst: Du bist Sensei Wu, der Anführer. Da kannst du zu Hause bleiben und hast nicht so viel zu tun.

Aber zu Hause bleiben ist nicht, denn heute ist Halloween. Das heißt: Papa muss einen 5-Kilo-Kürbis nach Hause schleppen, den Ruben mit Mama balkonfähig macht, während Papa aus den Innereien eine spaghettifähige Kürbissoße zaubert.

Halloween_Balkon

Dann ist Fußball im Volkspark angesagt. Leider geht der Ball über den Zaun des Fußball-Käfigs und bleibt zwischen den Hufen der Lampetier liegen. Nachdem wir den Fußball aus den Fängen der Trampeltiere befreit haben, hasten wir aus der Hasenheide nach Hause, um die Festtagsbemalung anzulegen. Dann wird geübt: Trick or Treat (schließlich leben hier jede Menge Amis) und die deutsche Entsprechung, Variante Xberg: Süßes oder Saures – oder wir schreien!

Halloween_A&R

Dann knobeln Mama und Papa, und natürlich verliert Papa. Zu viert – Rubens Klassenkamerad Joel ist noch zu uns gestoßen – brechen wir auf. Ich bin skeptisch. War Ruben letztes Jahr nicht schon daran gescheitert, bei unserer Nachbarin zu klingeln? Wie soll es da auf dem ganzen Straßenzug klappen? Doch ich werde eines Besseren belehrt. Die drei Jungs klingeln mit Begeisterung, wenn auch wenig Ausdauer: Wer nach fünf Sekunden nicht aufgemacht hat, ist selber schuld.

Und obwohl uns alle paar Meter andere Grüppchen vampiresk gestylter Kinder begegnen, ist die Rezeption erstaunlich freundlich: Vom Brötchen über Lakritzbonbons bis zur Tafel Ritter Sport reicht die Ausbeute. Einer der Beklingelten besteht darauf, dass die Kinder schreien – was Joel bereitwillig tut. Ein junges Paar schenkt den Kindern in Ermangelung “richtiger” Süßigkeiten sogar ein Stück selbstgebackenen Kuchen, das Papa (der sich stets dezent im Hintergrund hält) gleich an Ort und Stelle vertilgen darf – die Tüte ist schon so voll.

Anfangs springen die Kinder in ihren überdimensionierten schwarzen Umhängen (formerly known as Mamas und Papas Jacken) noch begeistert die Treppen hoch, um sich im vierten Stock ihr Leckerli zu holen, dann werden die Ressourcen geschont. Es reicht,  Erdgeschoss und 1. Stock abzuklingeln – und das auch nur im Vorderhaus. Für Papa trotzdem eine prima Gelegenheit, ein paar Kreuzberger Hinterhöfe zu begutachten, zu denen er sonst nie Zugang hätte.

Und für nächstes Jahr haben wir schon eine prima neue Variante im Köcher: Süßes, sonst gibt’s Probleme im Leben.

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Schön gemacht

Töli blättert in Rubens Mathe-Arbeitsheft “Flex & Flo”.
Willst du mal sehen, was der Ruben schon kann?, fragt der große Bruder den kleinen etwas gönnerhaft. Worauf der im gleichen Tonfall retourniert: Du hast schön eine Zahl gemacht!

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(Nicht in) Ordnung

In der Küche steht ein Müllbeutel, bereit zum Abtransport. Enter Anatol. Unter all den diversen Plastikabfällen entdeckt er ausgerechnet das kleine türkisfarbene Plastikröhrchen, mit dem er immer in der Badewanne gespielt hat – und das ich (wie ich dachte:) unauffällig verschwinden hatte lassen, weil noch ein paar andere dieser Röhrchen in Bad und Wohnung herumgeistern.
Warum hast du das weggeschmeißt? fragt Anatol mit einer Mischung aus Verwunderung und Enttäuschung. Und fügt streng hinzu: Das find ich nicht in Ordnung!

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K3 in Q4

Papa, warum hab ich nicht auch eine Schwester?, fragt Anatol.
– “Mama und Papa sind mit zwei Jungs schon… ganz zufrieden.” Beinahe hätte ich bedient gesagt. “Außerdem sind wir schon so alt.”
Aber ich möchte noch eine Schwester haben…
– “Mal sehen”, sage ich ausweichend.
– Im Winter machen wir das, ja?

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Bauchweh nach Plan

Wickeltime. Anatol behauptet, er habe Bauchschmerzen, wirkt aber ganz gut gelaunt dabei.
Hast du Bauchweh? fragt er.
– “Nein”, erwidere ich. “Momentan nicht.”
Warum nicht? Heut ist doch Dienstag.

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Mohammed

Sonntags beim Frühstück. Papa versucht Ruben über den Lebenskunde-Unterricht auszufragen, den 12 von 23 Schülern besuchen. Wie meistens, lässt sich Ruben nicht in die Karten gucken. Wir sprechen auch über Alternativen: christlicher oder islamischer Religionsunterricht.
– “Für die Moslems ist nicht Jesus der Wichtigste, sondern Mohammed”, erklärt Mama.
Hä? Mohammed? Der geht doch in die 3b!

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Hey You, Watch This (Heavy Heavy Monster Sound)

Ruben (kurz vor 7) macht Monstergeräusche und versucht damit seinen Bruder zu beeindrucken: UAAAAAAAHHH!
Anatol (3,5) ironisch: Da hab ich aber Angst…

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Fitte Socke

Während ich mit seinem Bruder den Elternabend der Kita besuchte, war Ruben heute mit seiner Mutter beim Kinderurologen, von dem er mir nun berichtet. Nachdem er mir die verschiedenen zur Diposition stehenden Strategien zur nächtlichen Blasenkontrolle auseinandergesetzt hat, frage ich meinen Großen etwas vermeintlich Unverfängliches.
– “Und, war der Doktor nett?”
Das war ne fitte Socke.
– “War das so ein junger?”
Der war so um die 35.
– “Fitter als ich?”
Ja, schon.
Als er meinen betroffenen Gesichtsausdruck sieht, schiebt Ruben nach: Aber du bist fitter, als du aussiehst…

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Vertragen

Ruben (6) sitzt am Esszimmertisch und schaut auf dem Laptop Ninjago. Anatol (3) kommt hinzu und möchte auch gucken.
Da musst du Papa fragen, bescheidet Ruben ihn.
Anatol rennt zu mir ins Arbeitszimmer:
– Darf ich Ninjago gucken?
– “
Ja, aber nur wenn ihr euch vertragt!”
Eifrig rennt Anatol zurück zu seinem großen Bruder:
Vertragst du mich?

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Playstation oder aber alle anderen dürfen auch

Heute putzt Ruben keine Zähne. Er ist wütend. Aber mehr so auf die kühle Art.
Weißt du eigentlich, wie sehr ich dich hasse, Papa?, fragt er.
– “Warum hasst du mich?”, frage ich zurück.
Weil du von allen Papas in meiner Klasse der blödeste bist.
– “Was ist denn besser an den anderen Papas?”
– Die erlauben ihren Kindern viel mehr. Ich darf nie was.
– “Was würdest du denn gern dürfen?”
– Nie darf ich Ninjago gucken.
“Das stimmt nicht. Du darfst es nur nicht so oft. Ich find das eben nicht so toll. Außerdem wolltest du in letzter Zeit immer lieber Asterix und Obelix gucken.”
– Aber das sind doch nur so kleine Lego-Figuren.
“Mir geht aber das Gekämpfe auf die Nerven.”
– Ich möcht aber auch was mit Elektrizität.
– “
Wir können gern mal was am Computer spielen. Aber ich kauf dir keine Playstation. Sechsjährige Jungen brauchen keine Playstation.”
– Ich möchte wenigstens ein Handy.
– “Du darfst doch regelmäßig mein Handy nehmen. Aber ich finde, du brauchst kein eigenes. Die anderen in deiner Klasse haben bestimmt auch noch keins.”
– Doch, Jacob!

Ich überlege eine Weile. Schweigend sitzen wir nebeneinander auf dem Sofa. Dann sage ich: “Ist dir schon mal aufgefallen, wie bescheuert die Leute auf der Straße rumlaufen. Alle schauen nur noch auf ihr Handy-Display und merken gar nicht mehr, was um sie herum passiert. Ich möchte nicht, dass du auch so wirst.”
– Will ich ja gar nicht. Das find ich auch blöd. Ich will nur was spielen! Kniffel zum Beispiel.
– “Dazu brauchst du doch keinen Computer. Das geht auch mit fünf Würfeln und ist so viel lustiger.”
Ruben seufzt, sein Blick sagt: Es hat keinen Zweck, du verstehst mich einfach nicht.
“Wärst du lieber in einer anderen Familie?”, frage ich.
Ruben scheint die Option ernsthaft zu erwägen. Dann sagt er: Ich will eine Playstation.

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