Vater und Sohn (Du nis!)

Zu eng! ruft Anatol (2,5). Er liegt auf der Wickelkommode und bekommt gerade eine Wille verpasst. Die Windel muss lockerer sitzen. Auch später beim Zubettgehen hat unser Töli ganz präzise Vorstellungen. Die beiden Brüder schlafen im selben Stockbett, Ruben oben, Anatol unten. Üblicherweise legt sich jeweils ein Elternteil zu einem der beiden Kinder, Papa meist oben, Mama in der Regel unten. Heute heißt es nach zehn Minuten überraschenderweise: Der Papa soll kommen. Beflissen eilt der Papa herbei, soweit es das relativ frisch operierte Knie zulässt, und kuschelt sich an den Zweitgeborenen. Kaum hat er es sich gemütlich gemacht und will gerade selbst entschlummern, ereilt ihn die neue Direktive: Die Mama kommt. Diesmal ist es schon eine Feststellung.

Die Mama kommt dann auch pflichtschuldigst. Zum Glück ist der große Rubelmann (kurz vor sechs) zu diesem Zeitpunkt (kurz nach acht) schon eingeschlafen. Papa kann sich davonstehlen und sich erst mal einen Chai kochen. Mann oh Peter, da hat er wieder Glück gehabt. So oft kommt es nämlich nicht vor, dass er bei Anatol liegen darf. Normalerweise heißt es: Du nis! Der Papa nis die Wille mache! Die Mama!

Morgens dann das gleiche Spiel. Erst wird eine Nane! eingefordert. Ist diese dann einverleibt – was je nach Uhrzeit (vor allem präsechsisch) auch schon mal im elterlichen Bett geschehen kann – kommt unweigerlich der Satz: Will Müsli esse! Dazu muss zunächst einmal der Kinderstuhl bestiegen werden, was Anatol inzwischen komplett autonom erledigt. Dazu rückt er den kleinen Plastikschemel an Mamas Stuhl heran (der neben seinem Hochstuhl steht), so dass er wie über eine Treppe über Schemel und Stuhl selbständig seinen Kindersitz erreicht.

Seit es saisonal bedingt keine Äädbääge mehr gibt, tut es Anatol immer öfter seinem Bruder gleich und verlangt ein obstfreies Müsli. Weder Bääne noch Nane dürfen das Getreide benetzen. Nach dem Frühstück, das noch im Schlafanzug eingenommen wird, geht es an die Auswahl der richtigen Kleidungsstücke. Dabei kann Pulli! sowohl ein T-Shirt, ein Unterhemd oder eben ein Pulli sein. Durchaus diffizil, wenn Papa jedes Mal das falsche Teil hervorzieht. Ist das Drama dann überstanden (oft um den Preis abenteuerlicher Kombinationen), gilt es noch, den kleinen Mann von der Notwendigkeit zu überzeugen, das richtige Schuhwerk – Dale? – überzustreifen (oder überhaupt eines), und dass es vielleicht nicht schlecht wäre – keine Jacke!! – auch obenrum noch was anzuziehen.

Ein Piratenschwert oder mehrere Autos im Gepäck besteigen wir dann Papas Fahrrad, zwei Finger in den Mund, die andere Hand beschirmt das Gesicht, und es kann losgehen.

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