Opa an Kasse 8

In Rubens Laden sieht es aus wie in Polen 1981: alle Regale sind leergefegt – und hier darf man den Ausdruck einmal wörtlich nehmen. Kaum haben wir den kleinen Kaufladen, den uns Brüsseler Bekannte freundlicherweise überlassen haben, liebevoll mit kleinen Nudel-, Keks- und Waschmittelpackungen befüllt, wird er erst mal schwungvoll leergefegt – vom neuen Besitzer höchstselbst.

Als alles auf dem Boden liegt, kann es losgehen mit der Einkauferei. Es wird von unter der Ladentheke verkauft. Darauf, dass nebenan ein spannendes Elfmeterschießen stattfindet, kann der Ladenhüter keine Rücksicht nehmen! Reihum werden Eltern wie Besucher zum Shoppen beordert: Papa, kaufen!

Mit dem hübschen kleinen Bastkorb mache ich mich also auf den Weg (ca. zwei Meter) und kaufe eine grüne Paprika und eine rote Paprika, sowie eine Packung Buitoni-Spiralnudeln. Artig frage ich den Kassierer, was das Ganze denn kosten soll: Geld! erwidert Ruben bestimmt. Ich entscheide mich für eine große matt-silbrige 50-Cent-Münze aus Plastik. Die arme Anja ist an der Reihe, als gerade der entscheidende Elfer geschossen wird. Sie wirkt etwas unkonzentriert und hat eine unnatürliche Halsstellung, als sie ihre Sachen bestellt. Die Engländerin verschießt, und Frankreich ist weiter.

Das tollste an dem neuen Kaufladen ist aber die High-Tech-Registrierkasse, die mit Scanner und allerlei piepsenden Tasten ausgestattet ist, und an der ein cooles Schwanenhals-Mikrofon mit Sprechtaste befestigt ist. Meine Frau kommt auf die glänzende Idee, alle Freunde und Familienmitglieder (wozu auch sämtliche Kita-Erzieher gerechnet werden) ausrufen zu lassen: „Sylvie an Kasse 7! Opa an Kasse 8!“

Ruben ist begeistert. Allerdings will er nun alles auf einmal: Chef sein und selber einkaufen. Als Kunde stürmt er mit Einkaufskorb auf den Tresen zu, schnappt sich das Mikrofon und ruft seinen Vater aus.

Der aber laboriert immer noch an den Nachwehen des morgendlichen Purzelbaums und liegt inzwischen in der Badewanne, bemüht um eine natürliche Halsstellung.

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