Assez tora!

Wie ich bereits kürzlich ausführte, üben wir zu Hause gerade fleißig den Imperativ, wobei wir zwischen direkten („Papa, sitze!“) und indirekten („Papa, auch esse?“) Sprechakten unterscheiden. Und wie der geneigte Leser der letzten paar Beiträge weiß, entwickelt sich Rubens Französisch mit Siebenmeilenschritten (ganz im Gegensatz zur Sprachkompetenz seines Vaters). Heute sind die beiden aktuellen Entwicklungen aufs Schönste zusammengeführt worden, als mein Sohn im Vorfeld des Frühstücks unvermittelt sagte: Assez tora! Da er dabei nicht mit einer Gebetsrolle herumfuchtelte, sondern freundlich auf eine Sitzgelegenheit verwies, begriff ich ausnahmsweise sofort, was gemeint war: Assieds-toi – setz dich doch hin, Papa!

Ich nahm Platz und ein wunderbarer Tag seinen Verlauf. Ich arbeitete ein wenig. (Als Ruben mit seiner Mutter in die Crèche aufbrach, fragte er beinahe mitleidig: Papa, arbeite?) Dann ging ich in den Französisch-Konversationskurs, um ein bisschen Oh-lo-loooh zu üben – und plauderte im Anschluss an den Kurs noch eine geschlagene Dreiviertelstunde mit der italienischen Kursleiterin und zwei Mitstudenten aus Usbekistan und Deutschland über das belgische Staatsunwesen, auch bekannt als Absurdistan. Danach ging ich mit dem Deutschen eine Kleinigkeit essen. F. bestellte eine Assiette, einen Salatteller mit Fleischeinlage, und ich wurde wieder an Rubens freundliche Frühstücksaufforderung erinnert.

Dann verbrachte ich noch ein paar schöne Stunden mit Ruben und seinem besten Freund Milan (eine Woche jünger als Ruben) und dessen netten Eltern. Als es Schlafengehenszeit war, schleppte Ruben einige seiner Lieblingsbücher an – genauer gesagt, die fünfbändige bebilderte Kinderbibel, über die ich an anderer Stelle bereits berichtet habe. Wir lasen Band 1, in dem ein gewisser Noah haarsträubende Abenteuer erlebt. Ruben interessiert hierbei vor allem das Schiff (also die Arche). Erst steht es fertig gezimmert an Land, dann kommt auf einmal das Wasser! Und die Wellen: Rauf…. und runter. Rauf… und runter, erklärt mir mein Sohn geduldig den Wellengang.

Wieder geht ein schöner Tag zu Ende. Und wieder habe ich etwas mehr von der Welt verstanden. Dors bien, mon loulou!

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