Tennis spielen! Ei machen!

Papa, noch MEH‘ rüber! Ungeduldig dirigiert mich mein Sohn durch den schmalen Flur unserer Altbauwohnung. In der linken Hand hat er ein rotes Kehrblech – oder besser gesagt, eine Kehrplastik, denn das Ding ist aus Kunststoff – und in der rechten einen mit Stoff überzogenen Luftballon,  mit dem wir normalerweise in der Wohnung Fußball spielen, wenn es draußen nicht geht oder die Umstände es nötig machen, dass wir drinnen spielen (also fast jeden Abend).

Heute spielen wir aber nicht Fußball, heute wird Tennis gespielt. Da es dafür immer zwei braucht, hat mir Ruben freundlicherweise einen Schuhkarton überreicht – das ist mein Schläger. Clever wie er ist, hat er für sich natürlich den besseren Schläger reserviert. Den roten. Sportliche Entscheidungen werden heutzutage eben mindestens so sehr durch die Wahl des richtigen Materials wie durch das mitgebrachte Talent entschieden.

Ruben hat Aufschlag. Er wirft den Ball in die Luft, holt aus – doch im sicheren Gefühl des Erfolgs ist er etwas zu überschwänglich und wirft den Ball, der eigentlich ein Ballon ist, vor lauter Freude hinter sich. Als ich einen Schritt auf ihn zu mache, weist er mich streng zurecht – Papa, NON! – und bedeutet mir, ich solle mich Richtung Wohnungstür bewegen. Noch MEH‘ rüber! Ich tue, wie mir geheißen.

Zur Zeit sind Anweisungen Rubens großes Thema. Als wir kürzlich seine Großeltern besuchten, erfreute der Enkel seinen Großvater immer wieder durch ein leicht genervt vorgetragenes Komm her, Opa! Die Aufforderung unterstrich der Zweieinhalbjährige durch eine ungeduldige Handbewegung, wie sie auch bei Hofe gegenüber Subalternen üblich war. Hergekommen, musste der Großvater dann – Opa auch Badehose! – ins Planschbecken steigen, eine Milch einschenken oder anderweitige Dienste verrichten.

Hinter dem Haus meiner Eltern hat gerade eine Amsel ihr Nest gebaut. Als ich Ruben das auf einem Holzstoß errichtete Vogelrefugium zeigte, saßen da sechs Küken, von denen vier erwartungsfroh sperrten. Es war wirklich allerliebst. Ruben verlieh seiner Begeisterung Ausdruck, indem er, als wir uns wieder zum Gehen wandten, noch meh‘ Vögel verlangte.

Wir einigten uns darauf, dass es besser sei, bei Hexi, dem Dackel meiner Eltern, ei zu machen. Das klappte auch ganz gut. Vor einem halben Jahr zuppelte und zog er noch an dem armen Tier herum, dass einem ganz angst und bange wurde – inzwischen hat er Gefallen am Streicheln gefunden. Und so werde auch ich fürs Erdulden mannigfacher Anweisungen regelmäßig mit dem Satz entschädigt: Papa, ei machen!

Et qu’est-ce que je dis? – Encore!

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Rubelmann abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Tennis spielen! Ei machen!

  1. Pingback: Assez tora! | parkwaechter

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s