Moos

Heute war Rubens letzter Schultag in der Ecole du Bonheur. Vor den vacances wird noch einmal eine große Lehrerkonferenz abgehalten, weshalb die élèves die meiste Zeit in der garderie (also unter Aufsicht) verbracht haben. Was in diesem Fall leider heißt: Vor der Glotze. Weil die Aufseherin, Madame M. zu faul ist, sich anderweitig mit den Kindern zu beschäftigen. Weshalb Ruben ab September in eine andere Schule gehen wird. (Trotz Madame Cécile, der großartigen Lehrerin.) Aber das ist eine andere Geschichte.*

Ausgerechnet an seinem letzten Schultag holen wir Ruben viel zu spät ab. Normalerweise hat die garderie bis 18 Uhr geöffnet – heute aber nur bis 17 Uhr. Was uns leider keiner gesagt hat (aber der gemeine Belgiker weiß sowas eben). Als wir um 17.43 eintrudeln, steht Madame M., die Aufseherin schon empört auf der Straße. Wir seien viel zu spät dran und Ruben bei der Direktorin im Büro.

Als ich schuldbewusst dort eintrudle, treffe ich Sohn und Direktorin ausgesprochen guter Dinge an. Die neue Direktorin (die alte wurde beurlaubt – zu spät für uns) lobt den “feinen Strich” auf der Zeichnung, die Ruben während der Wartezeit mit rosa Stift auf einen Schmierzettel gemacht hat. Zum Abschied fragt sie ihn, ob er denn im September wiederkomme. Ich bringe es nicht übers Herz zu sagen, dass wir ab September einen Platz an einer anderen Schule angenommen haben, bedanke mich nur und wünsche bonnes vacances.

Auf meine Frage, ob er denn auch etwas zu Mittag gegessen habe, antwortet Ruben: Moos. Seine Mutter hakt nach: “Moos?”
– “Er meint bestimmt Mousse“, schalte ich mich ein. “Ruben, gab es sowas, das aussah wie Pudding?”
- Nein, Moos.

Vermutlich werden wir nie erfahren, was es an Rubens letztem Schultag an der Ecole du Bonheur zu essen gegeben hat. Und vielleicht ist das auch besser so.

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* Hierzu muss man vielleicht wissen, dass der “Unterricht” in der école maternelle in der Regel bis 15.30 dauert. Danach kommen die Kinder in die sogenannte garderie, wo sie noch bis maximal 18 Uhr beaufsichtigt (oder schlimmstenfalls: verwahrt) werden. In einer guten Garderie beschäftigen sich die Aufseher_innen mit den Kleinen, basteln vielleicht etwas oder singen wenigstens gemeinsam. Madame M. zog es vor, endlose Folgen von “Tom und Jerry” (les petits) bzw. “Harry Potter” (les grands) zu zeigen…

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